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Berliner Zeitung
18 Berliner Zeitung-Nr.138 HAUPTSTADT-RUNDSCHAU Dienstag , 16. Juni 1992

Schon vor Christi orgelte man

Ausstellung rund um die Geschichte des Leierkastens

CHARLOTTENBURG
„Wir sind keine Bettler. Wir wollen den Menschen Freude machen." Manuela Hopf möchte ein weitverbreitetes Vorurteil aus der Welt schaffen. In ihrer Freizeit spielt sie selbst mit ihrer Drehorgel auf der Straße, geht aber wie viele ihrer Kollegen einem „ordentlichen" Beruf nach. Sie arbeitet als Sachbearbeiterin im Hochbauamt Steglitz.
Die Leierkastenspieler und -spielerinnen gehören längst zum Stadtbild Berlins. Um sie herum versammeln sich immer Schaulustige. Doch nur die wenigsten wissen um Geschichte und Tradition des Drehorgelgewerbes.


Aufschluss darüber bringt eine Ausstellung des „Internationalen Vereins der Drehorgelfreunde Berlin", die zur Zeit im Heimatmuseum, Schloßstraße 69, läuft. Dort erfährt der Besucher beispielsweise, dass erste Hinweise zu Drehorgeln bereits aus der Zeit um 1000 vor Christi existieren. In Deutschland drängten erst die Erfindungen von Grammophon und Radio die Drehorgelspieler etwas an den Rand der Gesellschaft. Der Leierkasten wurde in den zwanziger und dreißiger Jahren zur Musik von armen Leuten für arme Leute.
Die Ausstellung zeigt aber ebenso die Geschichte von Drehorgelbauern, gibt einen Einblick in deren Werkstätten und geht auf die Kultur rund um die Leierkästen mit ihren Maskottchen und Abzeichen ein. Zu sehen sind natürlich auch die Drehorgeln selbst, angefangen von der Violino-Pan von 1910 bis zu solchen, die heute noch gebaut werden. Und jeden Sonntag können sich Besucher dann selbst einmal - unter fachlicher Anleitung - an der Drehorgel versuchen.

Junge Frau mit alter Leier: Drehorgelspielerin Manuela Hopf, genannt Berolinchen.
Verantwortlich für die inhaltliche Gestaltung ist Manuela Hopf, selbst Mitglied im „Internationalen Verein der Drehorgelfreunde Berlin". Zwei Jahre hat sie an der Konzeption gearbeitet, im vergangenen Jahr erschien zunächst ein Buch zur Geschichte der Leierkästen. Dieses kann jetzt auch im Heimatmuseum erworben werden. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 31. Juli täglich außer Sonnabend und Montag bis 17 Uhr bei freiem Eintritt Den Höhepunkt bildet am 4. Juli das Treffen von Drehorgelspielern aus aller Welt mit einem Umzug über den Kurfürstendamm.
Andreas Woher

Mit freundlicher Genehmigung der Mediengruppe Berlin Verlag - Berliner Zeitung

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Berolinchen & Bärchen

Manuela & Ingo Hopf

Telefon
(030) 47712-92
0171-93 91 045

Fax
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E-Mail
hopf@leierkasten-berlin.de
www.leierkasten-berlin.de

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